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1927 – 1933

Die Anfänge in der Weimarer Republik

Auf Initiative von Hertha Kraus, der damaligen Leiterin des Wohlfahrtsamtes der Stadt Köln, wurden 1927 auf dem Gelände einer ehemaligen Pionierkasernen an der Boltensternstraße die „Riehler Heimstätten“ gegründet. Kraus, die 1923 als erst 26-Jährige vom damaligen Oberbürgermeister Konrad Adenauer nach Köln geholt worden war, lehnte ihr Konzept einer dreigliedrigen Einrichtung mit den Bereichen Wohnstift, Pflegeheim und Versorgungsheim an amerikanische Vorbilder an.

Im sogenannten Versorgungsbereich, wurden Menschen untergebracht, die zwar nicht für sich selbst sorgen konnten, aber auch nicht pflegebedürftig waren und gegen eine Beschäftigungsprämie in den betriebseigenen Werkstätten und landwirtschaftlichen Betriebsteilen nach ihren Möglichkeiten mithalfen. Aus diesem Versorgungsbereich ging das heutige Städtische Behindertenzentrum Riehl hervor.

Die beiden anderen Bereiche – Wohnstift und Pflegeheime – entstanden zum einen aus der Notwendigkeit, für ältere Kölner Bürger Wohnmöglichkeiten zu schaffen, da es im Stadtgebiet für Familien mit Kindern eine große Wohnungsnot gab. Zum anderen lag den Pflegeheimen die Idee zugrunde, alte pflegebedürftige Menschen nicht mehr in großen Schlafsälen nur zu verwahren, wie es die sogenannten „Siechenheime“ taten, sondern adäquat zu pflegen und zu betreuen. Gleichzeitig sollten die Krankenhäuser von sogenannten „Dauerpflegefällen“ entlastet werden.

In den folgenden Jahren entwickelten sich die Riehler Heimstätten zur größten Alten- und Versorgungseinrichtung der Weimarer Republik und zur Vorzeigeeinrichtung für Europa. Bis 1934 waren alle geplanten Bauprojekte abgeschlossen, es wurden insgesamt 800 Plätze im Wohnstift, 600 Plätze im Pflegebereich und 550 Plätze im Versor gungsheim geschaffen. 

Aus dem Verwaltungsbericht der Stadt Köln 1927/1928

„Der erste Bauabschnitt der Riehler Heimstätten, das Wohnstift, wurde im Herbst 1927 fertiggestellt. Er umfasst neben ausgedehnten Gartenanlagen 9 Wohngebäude, das Klubhaus, die Wäscherei und das Kesselhaus. Von letzterem wird das Fernheizungsnetz, an das sämtliche Gebäude angeschlossen sind, gespeist. Das Wohnstift wurde im November eröffnet. Es bietet minderbemittelten Personen im vorgerückten Alter billige und behagliche Kleinstwohnungen. Eine Reihe von wirtschaftlichen Erleichterungen (Zentralwäscherei, Zentralheizung, elektrische Kochvorrichtung, Reinigung der allgemein benutzten Einrichtungen durch Angestellte des Wohnstifts) erleichtern den älteren Leuten die Wirtschaftsführung. Klubhaus, Gartenzimmer und Garten fördern die Geselligkeit. Die einzelnen Wohnungen (ein bis zwei Räume) sind so ausgestattet und eingeteilt, daß Wohnraum, Schlafraum und Kochnische entstehen. Die Mietpreise liegen zwischen 22 und 45 RM. In den Preis sind einbegriffen: Heizung, Wäsche, Licht, Wasser und Bad. Der fertiggestellte Teil des Wohnstiftes ist mit 466 Personen voll belegt; außerdem lagen am 1. April weitere 1.145 dringende Anträge zur Aufnahme vor. Die übrigen Bauabschnitte, die voraussichtlich im nächsten Jahre fertiggestellt sein werden, sollen Wohnstiftswohnungen sowie ein Pflege- und ein Versorgungsheim umfassen.“

Im Pflegebereich waren 6-Bett-Zimmer die Regel. Examinierte Krankenschwestern und Vinzentinerinnen, waren für die Pflege zuständig. Schon in den 1920er und 1930er Jahren gab es für die Bewohner Gemeinschaftseinrichtungen und Angebote wie die ärztliche und physikalische Abteilung im Pflegeheim 1 oder kulturelle Großveranstaltungen wie Karnevalssitzungen in der ehemaligen Reithalle.

Den besonderen Charakter machte damals wie heute die 25 ha umfassende großzügige Parklandschaft der „Riehler Heimstätten“ aus. Die Bereiche, die zunächst zur Sicherung der Selbstversorgung der Einrichtung als Obst- und Gemüsegärten oder als Weideflächen für Milchkühe genutzt wurden, konnten später nach und nach in den Park einbezogen werden.